Abstand halten – das ist derzeit oberstes Gebot, wenn wir uns draußen bewegen. Auf diese Weise sollen wir uns und andere vor Ansteckung schützen. Manche ziehen sich dabei ganz in sich zurück: Sie machen nicht nur einen Bogen um andere, sondern blicken auch noch demonstrativ zur Seite oder zu Boden… Machen wir uns das Leben doch nicht schwerer als es ist! Gerade jetzt sollten wir unsere Verbundenheit durch kleine Zeichen der Zuwendung stärken: Einander anschauen, zunicken, anlächeln, grüßen – das macht uns gleich ein bisschen weniger einsam und hebt die Stimmung. Seien wir trotzdem freundlich!
„Bleiben Sie gesund!“ Mittlerweile bekommt man das oft zu hören – als ob es in unserer Macht stünde, gesund zu bleiben… Etwas realistischer ist da schon der Ratschlag: „Passen Sie auf sich auf!“ Doch auch wenn man gut auf sich acht gibt, schützt das nicht unbedingt vor Ansteckung. Besser gefällt mir daher der Wunsch: „Bleiben Sie behütet!“ In ihm steckt der Gedanke, dass wir nicht alles selbst in der Hand haben – und dass da Einer ist, der uns zugetan ist, trotz allem. Ob der andere diese Überzeugung teilt oder nicht – es ist eine wohltuende Zusage. In diesem Sinne: Bleiben Sie behütet!
Eine Trommel kann man nicht mit einem Finger spielen, so lautet ein afrikanisches Sprichwort. Genau diese Erfahrung machen wir gerade – dass wir allein vieles nicht zustande bringen. Auf einmal fehlt uns etwas Wesentliches: Das Miteinander, das unser Leben erst gelingen lässt. Darum sollten wir nicht zögern, auch jetzt – mit Sicherheitsabstand! – auf andere zuzugehen. Manch einer ist wirklich ganz allein und froh über ein bisschen Hilfe und Unterstützung. Wem kann ich einen Einkauf abnehmen, den Hund ausführen oder am Telefon zuhören? Mit zehn Fingern kann man Trommel spielen, mit vielen Händen können wir etwas bewegen.
Nochmal schnell ein paar Sachen besorgen, mal eben die Brötchen holen – und dabei natürlich ins Auto steigen: Auch in Zeiten von Corona bleiben uns lange gepflegte Gewohnheiten erhalten. Aber warum eigentlich? Fast die Hälfte aller Autofahrten sind Kurzstrecken unter 5 km. Das sind Entfernungen, die man eigentlich gut zu Fuß bewältigen kann. Im Moment müssten es die wenigsten von uns doch wirklich eilig haben… Daher: Das Auto einfach mal stehen lassen! Das dankt uns am Ende nicht nur die Umwelt – für uns gibt es eine gedankliche Auszeit, Bewegung und Frischluft gratis dazu. Geht doch!
Dass man sich für ein Geschenk bedankt, haben wir von klein auf gelernt: „… wie sagt man da…?“ Mehr als eine gedankenlose Floskel ist das Wörtchen „danke“ aber meistens nicht. So vieles nehmen wir als gegeben hin! Doch nun bricht auf einmal eine Menge von dem weg, was uns bisher selbstverständlich war. Uns wird bewusst, wie sehr wir auf andere und ihre Arbeit angewiesen sind. Das betrifft gerade diejenigen, deren Leistung wir sonst kaum wahrgenommen haben: die Menschen im Verkauf, bei den Lieferdiensten, in der Pflege… Sie alle haben es verdient, dass wir ihnen bei nächster Gelegenheit einfach mal aufrichtig „danke“ sagen!
Es gehört beinahe schon zum guten Ton, über Zeitnot zu klagen. Unser Leben ist vollgepackt und temporeich. Wahrscheinlich tun sich deshalb viele mit der nun staatlich verordneten Entschleunigung schwer. Während einige zum Wohle aller hart arbeiten müssen, haben die meisten von uns auf einmal das, wonach sie sich oft gesehnt haben: Zeit! Endlich können wir uns um lange Aufgeschobenes und liegen Gebliebenes kümmern. Aber dabei sollten wir nicht vergessen, uns Zeit auch für das scheinbar Überflüssige zu nehmen: Einfach mal das Gesicht in die Sonne halten, tief durchatmen und mit jeder Faser spüren: Ich lebe!